
Geschützt: Ernährungs-Docs wie Wirksam sind sie wirklich?
30. Juni 2026Natrium- und Kaliummangel im Körper: Was ist zu beachten?
Natrium und Kalium gehören zu den wichtigsten Elektrolyten des Körpers. Elektrolyte sind Mineralstoffe, die in gelöster Form elektrische Signale weiterleiten. Sie helfen dabei, den Wasserhaushalt zu regulieren, Nerven- und Muskelzellen funktionsfähig zu halten und den Blutdruck sowie den Herzrhythmus zu stabilisieren. Ein Mangel entsteht meist nicht einfach durch „zu wenig Essen“, sondern häufig durch Flüssigkeitsverluste, Erkrankungen, Medikamente oder eine gestörte Regulation im Körper.
Natriummangel: häufig eher ein Wasserproblem als ein Salzmangel
Ein Natriummangel im Blut wird medizinisch Hyponatriämie genannt. Natrium hält vor allem den Flüssigkeitshaushalt außerhalb der Körperzellen im Gleichgewicht. Deshalb hängt ein zu niedriger Natriumwert oft eng mit dem Wasserhaushalt zusammen. Laut Thieme liegt der normale Natriumwert im Blutplasma etwa bei 135 bis 147 mmol/l; Natrium- und Wasserhaushalt werden vor allem über Nieren, Hormone und das Gehirn gesteuert.
Mögliche Auslöser sind starkes Schwitzen, Erbrechen, Durchfall, eine sehr hohe Trinkmenge ohne ausreichende Mineralstoffzufuhr, bestimmte Medikamente wie Entwässerungsmittel, Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen sowie hormonelle Störungen. Besonders ältere Menschen können gefährdet sein, weil mehrere Faktoren zusammenkommen: geringeres Durstgefühl, Medikamente, Vorerkrankungen und eine veränderte Regulation des Wasserhaushalts.
Woran kann man einen Natriummangel bemerken?
Ein leichter Natriummangel kann unspezifisch sein. Mögliche Anzeichen sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Übelkeit, Schwindel, Gangunsicherheit oder Muskelkrämpfe. Bei stärkerem oder rasch entstehendem Mangel können Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle und im Notfall lebensbedrohliche Komplikationen auftreten. Das Deutsche Ärzteblatt beschreibt Hyponatriämie als häufige Elektrolytstörung bei Krankenhauspatienten und weist besonders bei älteren Patientinnen und Patienten auf Zusammenhänge mit Delir, Stürzen, Frakturen und erhöhter Sterblichkeit hin.
Kaliummangel: wichtig für Muskeln, Nerven und Herz
Ein Kaliummangel im Blut wird Hypokaliämie genannt. Kalium befindet sich überwiegend innerhalb der Körperzellen und ist dort entscheidend für die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen. Besonders wichtig ist Kalium für die normale Funktion des Herzens. Ein Mangel kann unter anderem durch Durchfall, Erbrechen, starkes Schwitzen, Abführmittelmissbrauch, Entwässerungsmedikamente, eine sehr einseitige Ernährung oder bestimmte hormonelle beziehungsweise Nierenerkrankungen entstehen.
Typische Beschwerden können Muskelschwäche, Müdigkeit, Verstopfung, Muskelkrämpfe, Herzstolpern oder Herzrhythmusstörungen sein. Ein niedriger Kaliumwert sollte besonders ernst genommen werden, wenn Herzbeschwerden bestehen, entwässernde Medikamente eingenommen werden oder bereits eine Herz- oder Nierenerkrankung bekannt ist. Das Deutsche Ärzteblatt nennt Hypokaliämie außerdem als mögliche Begleitstörung beim Refeeding-Syndrom, also bei mangelernährten Menschen, die nach längerer geringer Nahrungszufuhr wieder ernährt werden.
Ernährung: was im Alltag sinnvoll ist
Für die Ernährungspraxis ist wichtig: Natrium nehmen die meisten Menschen vor allem über Kochsalz auf. In westlichen Ländern liegt die Salzzufuhr häufig eher zu hoch als zu niedrig. Eine vorsorgliche Erhöhung der Salzmenge ist daher nicht automatisch sinnvoll. Kalium kommt vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln vor, zum Beispiel in Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Obst, Nüssen und Vollkornprodukten. Der UGB betont, dass eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse und Obst durch Kalium und Magnesium günstig zur Blutdruckregulation beitragen kann.
Kaliumhaltige Salzersatzprodukte sollten nicht ohne Rücksprache verwendet werden. Der UGB weist darauf hin, dass salzreduzierte Salze häufig Kaliumchlorid enthalten. Für Menschen mit Nierenerkrankungen, bestimmten Herzmedikamenten oder eingeschränkter Kaliumausscheidung kann zu viel Kalium gefährlich werden. Deshalb gilt: Nicht eigenständig mit Elektrolytpräparaten oder Salzersatz experimentieren, sondern Blutwerte und Medikamente ärztlich prüfen lassen.
Wann sollte ärztlich abgeklärt werden?
Eine ärztliche Abklärung ist wichtig bei Verwirrtheit, starker Schwäche, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen, Herzrasen, Herzstolpern, Brustbeschwerden, ausgeprägtem Schwindel, wiederholtem Erbrechen oder Durchfall, deutlicher Austrocknung, Einnahme von Entwässerungsmedikamenten sowie bei bekannten Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen. Bei solchen Beschwerden sollte nicht allein über Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel behandelt werden.
Praktische Empfehlung für Klientinnen und Klienten
Bei Verdacht auf Natrium- oder Kaliummangel sollten die Ursachen geklärt werden. Sinnvoll sind eine ärztliche Blutuntersuchung, eine Überprüfung der Medikamente und eine individuelle Ernährungsberatung. Für den Alltag gilt: regelmäßig trinken, bei starken Flüssigkeitsverlusten aufmerksam sein, eine ausgewogene, gemüse- und obstreiche Ernährung bevorzugen und Elektrolytpräparate nur gezielt und nach fachlicher Rücksprache einsetzen.
Kurz gesagt: Natrium- und Kaliummangel können harmlos beginnen, aber ernsthafte Folgen haben. Entscheidend ist nicht nur, „mehr Salz“ oder „mehr Kalium“ aufzunehmen, sondern die Ursache zu finden und die Werte sicher zu kontrollieren.
Quellen
Heuft L, Voigt J, Selig L, Stumvoll M, Schlögl H, Kaiser T. Refeeding-Syndrom: Diagnostische Herausforderung und Potenzial klinischer Entscheidungsunterstützungssysteme. Deutsches Ärzteblatt. 2023;120(7):107 ff.
Dresely F. Störungen des Natriumhaushalts. Anästhesiologie · Intensivmedizin · Notfallmedizin · Schmerztherapie. Georg Thieme Verlag KG; 2018;53(07/08):492–502. DOI: 10.1055/s-0043-121662.
Thieme via medici. Störungen des Natrium- und Wasserhaushaltes. Thieme; zuletzt bearbeitet am 15.06.2026. Abruf: 19.08.2026.
Graßmeier N, Franz W. Ist salzreduziertes Salz empfehlenswert? UGB-Gesundheitsberatung; Stand: 2011. Abruf: 19.08.2026.
Zieschang T, Wolf M, Vellappallil T, Uhlmann L, Oster P, Kopf D. Assoziation von Hyponatriämie, Delirrisiko und Mortalität: Eine kontrollierte, prospektive Langzeitstudie mit geriatrischen Patienten. Deutsches Ärzteblatt International. 2016;113:855–862. DOI: 10.3238/arztebl.2016.0855.

